Juni 8

Natürlliche Feinde

Heute durfte ich es wieder erfahren.
Zur Information: Ich bin Smart-Fahrer. Der Smart zeichnet sich durch einige wichtige Dinge aus. Zum Einen ist er klein, wendig, relativ sparsam und kann helfen, dem Besitzer ein dickes Fell zu verpassen, was Spott und Hohn angeht.
Zudem ist ein wichtiges Merkmal, dass der 0,8 Liter-Motor nicht sooo viel Leistung bringt, wie man sich wünschen würde, zudem ist schnelleres Fahren als mit 135 kmh kaum möglich. Dementsprechend wird der liebe Smart in den höheren Lagen der Tempo-Kurve etwas knauseriger, was die Beschleunigung angeht. Alles was wirklich langsam ist oder sogar steht, kann ich super umfahren oder überholen. Einfach riesig, der Kleine.

Um nun aber zum Thema zurückzukommen, es geht um die natürlichen Feinde.
Da kann ich bis dato zwei anführen. Zum Einen enge Kurven bei Regen, die aus mit Blütenstaub überrieseltem, schlecht haftenden Asphalt gebaut sind. Mit dem Heckantrieb wird da relativ schnell mal die Strasse zu schmal und der Rasenstreifen zu unwegsam, sodass unter einigen Umständen ein seitlicher 450 Grad-Überschlag kaum mehr vermeidbar ist. Doch das ist Geschichte.

Heute ist mir mal wieder der Andere begegnet, der notorische Neunzigfahrer, manchmal auch als Brauchtzweikilometerumvonachtzigaufhundertzubeschleuniger auftretend. Bei dieser Geschwindigkeit hat sich das dann leider mit den spritzigen Überholungen des Smarts erledigt, und falls der Tag nicht eine exzellente Sicht bis zum Horizont auf einer schnurgraden Straße mitbringt, ist es nur mit sehr viel Nervenkitzel möglich, dem Schleicher seinen Platz abzuringen. Selbst im fünften (von sechs) Gängen fahrend (was angesichts der angespannten ökopolitischen Lage nur ohne Gewissen möglich ist) erreicht man eine zum überholen taugliche Geschwindigkeit meist erst genau dann, wenn irgendwo auf der Gegenfahrbahn bereits der nächste Entgegenkommende erscheint und einem zur Aufgabe der Unternehmung und der dem Motor entkitzelten fünf bis zehn km/h zwingt.

Es sind dann meistens so alte Golfs, die aussehen wie die, die die Telekom früher gefahren ist, oder Kias, oder auch mal ganz normal aussehende Fahrzeuge, die den gemeinen Smart-Fahrer in seine Grenzen weisen und das Gefühl der Freiheit auf dem Highway vereiteln.

Bei mir war es heute zuerst ein irgendwann mal als weisser Golf durchgehendes Kraftfahrzeug, das erst mit 80, später dann aber bis fast 100 km/h beschleunigend vor mir her puffte. Irgendwann war es mir möglich, dieses mobile Himmelfahrtskommando unter Nichtbeachtung verschiedener Regeln, die die Nerven schonen sollen, zu überholen, jedoch nur, um wenig später einem Mini-Opel oder sowas auf’s Heck zu starren, dessen Tachonadel auf der 90 angetackert zu sein schien.

Und so wurde ich dann von dieser Schnarch-Eskorte, oder nein, nennen wir es den Schlafmützen-Konvoi, innerlich unter Hochdruck kochend, äußerlich cool wie immer, quasi bis vor die Haustür begleitet.

Halten wir also fest, als Smart-Fahrer hat man es nicht leicht und die natürlichen Feinde sind dicht gesäht.
Ich bin sehr froh, momentan einen Job am Ort zu haben…




Verfasst 8. Juni 2006 von Ben in category "Allgemeines

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Security Code: