Dezember 19

Nicht „Warum“, sondern „Wie“

Wie eigentlich immer ging es in diesem journalistihschen Machwerk weniger um das Warum (die Frage stellte sich nicht einmal, nachdem die Werbepause überstanden war), sondern eher um das Wie, als ein Berliner Hauptschüler noch einmal Vor- und Nachteile von „Bluetoo“ und Infrarot erörterte, kurz nachdem Passanten in einer Einkaufszeile nach ihrer Meinung zu einem harten Sodomie-Video gefragt wurden, das nach unrepräsentativen Umfragen innerhalb des Berichts, neun von zehn Schülern kennen.

Um ein „Warum“ schert sich eh kein Sat.1-Zuschauer, es kamen keine drei Wörter mit „HAUS…“ vor.

Zapp

November 8

Wahldebakel … mal wieder

So sehr mich die Wahlen in den USA ob meiner jüngsten Verdrossenheit bzgl. der Weltpolitik doch überrascht haben, so enttäuscht war ich auch, als ich gestern mitbekam, dass es ja noch gar nicht um den Präsidenten geht.

Aber wer soll eigentlich glauben – selbst wenn es nur eine Wahl zwischen zwei Parteien gibt (wobei einige wenige Kandidaten auch parteilos angetreten sind) – dass wenn mehr als 100 Millionen Wahlberechtige zur (digitalen) Urne schreiten (könnten), das Ergebnis immer wieder so nah an fifty/fifty ist?

Und fast schon mit protokollarischer Sicherheit ist in genau einem der Staaten das Ergebnis so knapp, dass dort erneut ausgezählt werden muss, was laut Kommentatoren Stunden oder Tage dauern kann, weil es auch ein Staat ist, in dem die Wahlcomputer nicht funktioniert haben (in dem heuer aber ausnahmsweise kein Mitglied der Bush-Dynastie auf dem Thron sitzt).
Das ist nahezu so spannend und Glaubwürdig wie 2004, als die Briefwählerstimmen das Zünglein an der Waage entscheidend hätten ausschlagen lassen können.

In meinen Augen einfach too much der gekünstelten Dramatik die wohl nur darauf abzielt, die USA weltweit auch mal wieder anders als im Zusammenhang mit missglückten Einsätzen im Irak im Frühstücksfernsehen erscheinen zu lassen.
Selbst ein nur halbwegs geschulter Bollywood-Regisseur hätte spätestens hier seinen Script-Supervisor von der Elefanten-Stampede überrennen lassen, auf dass der Streifen noch ein würdiges Ende erhalte, aber darauf kann man im echten Leben wohl nicht hoffen.

Oktober 3

Slogans for Life – Sprüche zum Überleben

Es fing ja ganz nett an, seinerzeit. Mit hübschen Bildkompositionen, fliegenden High-Tech-Handies und Blubberblasen begann O² zu werben, was das Zeug hielt.
Dann kam die Invasion der Promi-Fratzen: Beckenbauer, Engelke, Bohlen, Calmund, Beckenbauer und seit neuestem Veronika Ferres und der wankelmütige Franz Beckenbauer.

Während diese in der Werbelandschaft seinerzeit nicht wirklich zu stören vermochten (so sehr ein Werbespot eben in einem Werbeblock stört), frage ich mich ernsthaft, wer jüngst für die Texte der engagierten Promiluder verantwortlich ist.
Unangenehme Schreikrämpfe suchen mich jedesmal heim, wenn ich die Ferres, das Superweib, Deutschlands (ehemalige?) interne Vorzeige-Schauspielerin ihre, höchst offensichtlich weder vom Script-Supervisor noch vom O²-Vorstand ernsthaft abgesegneten Zeilen in die Kamera säuseln sehe:

Man kann oft telefonieren.

oder

Einfach bezahlen und gut ist.

Andererseits… natürlich sind einfache Werbebotschaften erstrebenswerte Güter. Das fiel auch Unternehmen wie Sat1 und Douglas wie Schuppen aus den Haaren, als eine Studie herausfand, dass ihre Slogans seinerzeit durch unbedarfte Konsumenten fälschlicherweise mit „Kraft durch Freude“ („Powered by emotion“) bzw. „Komm rein und finde wieder heraus“ („Come in and find out“) übersetzt wurden.

Doch wo soll die neue Einfachheit hinführen? Noch klarere Werbeaussagen? Gar nicht mehr um den heissen Brei herumreden? Na klar, der Verbraucher hat es verdient und versteht ja meist auch gar nicht anders, was die Werbung von ihm will. So mutierte auch bereits vor geraumer Zeit ein gut gemeintes „Weil Sie es sich wert sind“ zu dem befehlstonartigen „Sie sind es sich wert“.
Also werden uns sicher bald Slogans wie „Einfach kaufen und Klappe halten“, „Alles Andere ist nur Müll, ehrlich“, „Unterschreiben, sonst Fresse dick“ oder „Weil ich es so sage“ (gut Vorstellbar bei Bohlen) heimsuchen, auf dass wir uns endlich noch schneller entscheiden, bei dem Anbieter mit dem meistgesehenen Promi oder dem einfachsten Spruch zu kaufen. Hallojulia.

Juli 25

Zapping (1)

Zapp… Sat 1 Frühstücksfernsehen

Sat Einsens Haus-und Hof-Literaturkritiker äußert sich wohlwollend über einen Krimi, empfiehlt ihn, etc.

Die Moderatorin muss nachhaken: Und für welche Jahreszeit ist das Buch besonders zu empfehlen?
Der Belesene: Ach, eigentlich für immer.
Die Zweiflerin: Was? Auch für jetzt, wo es so heiss ist?
Er: Ja, wirklich…

ZAPP … Kopfschütteln

Juli 14

Werteverfall?

Muss man eine Sendung, in deren Titel schon das Wort „Sex“ vorkommt, und in der sich die Protagonistinnen fast ausschließlich über ihr Sexualleben und ihre Favourite und Most Hated Praktiken diskutieren und diese vollziehen, denn tatsächlich schon im Vorabendprogramm, um 18 Uhr zeigen?

Pro 7 hat sich ja schon gewaltig mit Lotta in Love in die Nesseln gesetzt, als es den alteingesessenen Simpsons den zweiten täglichen Sendeplatz genommen hat, für eine dieser supertollen Telenovelas mit Doppelrollenelementen, die der Welt unbedingt noch gefehlt hat und die die Quoten der Simpsons wohl nicht einmal übertrumpfen konnte (läuft jetzt Sonntags vormittags aus).

Aber diesen Sendeplatz nach den – zugegebenermaßen nicht politisch korrekten aber – familienfreundlichen Simpsons nun einer Serie zur Verfügung zu stellen, die bisher aus gutem Grund im Spätprogramm lief,
grenzt meiner Meinung nach an – gelinde gesagt – Blödsinn.

Mai 18

Na toll

Heute morgen hab ich N24 geschaut, bzw. eher gehört. Das tue ich öfter und fand das bisher auch nicht schlimm.
Da ging es dann heute u.a. um die Anhebung der Altergrenze für Alkoholkonsum von 16 auf 18 Jahre, mit der Bildzeitung als Quelle.

Davon abgesehen, dass mich das Thema nicht tangiert und ich mich erstmal gewundert habe, dass es nicht sowieso schon 18 Jahre sind, durfte ich zudem im Laufe des Tages feststellen, dass dies nur mal wieder eine Meldung aus der Kampagne „EU ist doof“ mit ausgedachten Fakten der Bildzeitung war, die N24 netterweise ungeprüft übernommen hat.

Dazu folgende Mitteilungen von mir an

  • Bildzeitung: ich mag euch nicht
  • N24: danke, dass Ihr meine Zeit verschwendet habt
  • Bildblog: danke für die Information
April 5

Jod

So konsequent wie die Putzmittelhersteller in ihren Werbespots Jod mit unter die Wäsche mischen, gewinne ich mehr und mehr den Eindruck, dass das Zeug zu Hause auch nicht ohne funktioniert…