März 15

Seed – Das Grauen von einem Film

Ohne auch nur zu ahnen, dass es sich bei diesem Film um einen Uwe Boll-Film handelt, hatte ich beschlossen, mir Seed anzusehen. Natürlich wusste ich es dann ab dem Vorspann, aber nun war ich einmal hier und der Film lief. Ich habe mein Bestes gegeben.

Womit fange ich an? Mit dem Anfang, der uns warnt, dass authentische Bilder mit der fiktiven Geschichte vermischt wurden. Was damit gemeint ist, erfährt der Zuschauer sofort, als ihm minutenlange, gegebenenfalls echte Tierquälereien gezeigt werden. Nach all den Jahren als Filmschaffender, als Visionär des Storytelling und Effektkinos offenbar Bolls einzige Möglichkeit, den Zuschauer dem Wesen seines Helden (?), des Massenmörders Seed näher zu bringen. Handwerk geht anders.
Seed nämlich belieferte die Polizei zur Beschleunigung seiner Festnahme mit Videos, auf denen er immer größere Daseinsformen dem Tod und der Verrottung preisgibt – wenn Sachkunde aus dem Ruder läuft. Mehr erfährt man von Seeds vergangenen Missetaten nicht. Im Ganzen versteht man den Killer am Ende als so etwas wie einen zurückgebliebenen, der einfach alles kaputt spielt. Aber jedenfalls muss er grottenhässlich sein, denn selbst im Gefängnis lässt man ihn seine Killer-Lumpen-Kappe weiter tragen. Klar.

Und nun zur Handlung: er wird geschnappt, kommt auf den elektrischen Stuhl, der geht kaputt, er nicht, wird lebendig begraben (Seed, nicht der Stuhl) und – spätestens jetzt wähnt Boll uns auf der Seite des Killers – rächt sich fies.

Uwe, ach Uwe. Irgendwie versemmelst Du es immer. Am Ende stimmt immer weniger, als dass es passt – wobei es bei diesem Machwerk eigentlich schon mit der ersten Szene gelaufen war.

Dass der Film in den 70ern spielen soll, wird einem sehr früh in einer Traumsequenz quasi ins Gesicht gebrüllt: lustige Hemden und Jacken tun ihre Pflicht. Danach ist die Ausstattung weniger aufdringlich, fast schon authentisch, die Wohnungen sind aber teils so detailverliebt eingerichtet, dass die nichtssagenden Charaktere darin irgendwie deplatziert wirken.

Die Charaktere. Wer hat eigentlich Ralf Möller erlaubt, sich selbst zu synchronisieren? Oder schauzuspielen?

Und was war nochmal mit der Logik? Unnötig. Warum wird der Massenmörder (666 Morde-muharhar)  in schwärzester Nacht von genau 5 Polizisten, die sich verhalten als ob sie auf einen Jagdausflug fahren, festgenommen? Natürlich teilen sie sich in mindestens 5 Gruppen auf um dem offenbar zurückgebliebenen (oder doch hochintelligenten – oder nur handwerklich begabten) Killer einzeln in die Fallen zu tappen.
Und warum verpasst ihm keiner einen Kopfschuss nach dem 2. Versuch, ihn auf dem elektrischen Stuhl zu grillen? Nein, er wird lebendig begraben, denn das ist momentan sehr schick in Hollywood.
Und natürlich fährt der Protagonist am Ende ganz allein um seine Familie… ach… is ja gut.

Also, was ist der Film?

  • Eine Matinee der Grausamkeiten, an der den wenig SAW-geprüften die Gewaltdarstellung ab und zu flashen kann, wenn er denn grad eine Pause vom Kopfschütteln macht.
  • Eine unsägliche Gurke, die man wirklich niemandem zumuten sollte.
  • Ein nachhaltiges Plädoyer dafür, nie wieder einen Film der Kategorie Splatter-Thriller zu konsumieren.
  • Und hoffentlich wird er verhindern, dass ich mir weitere Boll-Werke anschaue. Doch ich befürchte, dass meine Neugier, sehen zu wollen, wie viel schlechter seine Filme noch werden können, dem Wohl im Wege stehen wird.



Verfasst 15. März 2012 von Ben in category "Kritik

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