Oktober 28

Begegnung mit Andreas Eschbach

Nun war er da, der Tag, auf den ich mich lange gefreut habe, und der Mann, für den dasselbe zutrifft: Andreas Eschbach.
Ein wenig habe ich mich eventuell hineingesteigert, was aber schon einbis zwei Wochen zurückliegt. In der letzten Woche hatte ich leider kaumZeit und Muße, mich darauf zu freuen.

Ich habe versucht, sein neues Buch vorher zu lesen, schaffte aber nur die Hälfte, was ich aber nicht als schlimm empfinde. Tiefergreifende Fragen hätte ich aus Gründen der Geheimhaltung vor den Noch-Lesenden ohnehin nicht stellen dürfen, und selbst so eine Frage wie die, die mir spontan noch einfiel, was ihn bewogen habe, die Figur, die er auf den ersten einhundert Seiten aufbaut, plötzlich aus so einem dunklen Licht zu zeigen, habe ich mir verkniffen, da ich leider nicht weiss, wie das Buch nach Kapitel 24 weitergeht und meine Frage sich somit erübrigt haben könnte.

Doch drei Fragen hatte ich mir ja trotzdem noch in letzter Stunde zurechtgelegt, leider kam ich nur zu einer, da die anderen Beiden so ähnlich von anderen Personen gestellt wurden.
Meine Frage war, wie lange er an seinem ersten Buch geschrieben habe, nachdem er bereits erklärt hatte, dass er heute an einem Buch ein bis zwei Jahre arbeite. Ich war überrascht und fast schon am Rande des Selbstzweifels, als ich erfuhr, dass er Die Haarteppichknüpfer in einem Jahr geschrieben hatte, nachdem das erste Kapitel bereits lange vorher als Kurzgeschichte existierte.

Kurzgeschichte. Ja. Das ist das, was ich nicht kann – wie vieles anderes auch. Ich habe viele Ideen, von denen ich sogar einige als Kurzgeschichte hergeben würde, aber ich habe noch keine geschrieben. Noch nicht einmal ein Exposé oder dergleichen.
Warum? Weil ich nach den groben Grundzügen einer Geschichte inkonsequenterweise nicht in der Lage bin, mich auf Details festzulegen. Weil in Details meine Phantasie versagt oder ich weiss es nicht.
Ich tippe auf den ersten Punkt.
Aber das ist mein altes Problem und das soll jetzt nicht hier hinein.

Eschbach war charmant. War witzig und fühlte sich anscheinend wohl hinter seinem Pult, nachdem er die ersten sechs Kapitel von Der Nobelpreis in leicht gekürzter Fassung vorgelesen hatte.
Nach der, zum Glück, nicht zu kurzen und auch nicht zu langen Fragestunde nahm er sich Zeit für das Signieren seiner Bücher, wobei auch ich mich einreihte, nachdem ich einige Fotos gemacht hatte. (Vom signieren habe ich leider gar kein Foto).
Ich bin ja eigentlich gar nicht für so etwas zu haben, aus der Reihe zu fallen, meine ich, Dinge von Menschen zu verlangen meine ich auch, und hatte insgeheim gehofft, meine Mutter und mein Vater würden sich noch mit je einem Buch anstellen, aber am Ende stand ich dann mit 5 Büchern vor ihm und fragte, ob es zu vermessen sei, mit meinem halben Bücherregal anzutreten, wobei die Hälfte auch noch Leseexemplare seien. Anscheinend war dem nicht so. Jedes Buch hat eine persönliche Widmung erhalten, über die ich mich zu Hause erst einmal vor lauter Aufregung scheckig gelacht habe. Der Mann hat Humor, aber das war abzusehen, wobei „Für Ben, den Fan“, noch am unspektakulärsten war.

Ja, da stand ich nun, direkt vor ihm. Habe mir nach jeder Unterschrift eine hoffentlich lustige Bemerkung einfallen lassen und habe einige Minuten seiner Zeit verbraucht. Eine optimale Ausgangssituation um daran anzuknüpfen, wenn ich ihm eine eMail schreibe um ihm den Link für den Bericht auf unserer Homepage zu senden. Vielleicht erinnert er sich ja doch ein wenig an mich… denn insgeheim wünsche ich es mir, was immer das zu bedeuten hat.

Nach der Lesung stellte sich plötzlich die Frage, wie der Autor in’s Hotel zurückkäme und meine Mutter fragte ihn spontan, ob wir ihn fahren könnten.
Jetzt, im Nachhinein macht sie sich Vorwürfe, ihn nicht zum Essen eingeladen zu haben, nachdem er geäussert hatte, noch etwas zu sich nehmen zu wollen – was ihr allerdings zu spät eingefallen war. Und ich weiss, dass sie darüber noch lang mit sich hadern wird, obwohl ich nach Kräften versucht habe, ihr zu versichern, dass er nicht den Eindruck gemacht habe, sich jetzt noch Gesellschaft zu wünschen. Tatsächlich machte er einen etwas scheuen Eindruck, wofür ich mich auf Grund meines mieserablen Talents der Menschenkenntnis jedoch nicht verbürgen würde, und zum Anderen habe er eine anstrengende Woche hinter sich.

Insgeheim, so sehr ich es mir gewünscht hätte, wollte ich es auch wiederum ganz und gar nicht, dass diese Situation passieren möge, denn nichts wollte ich weniger als dass meine Mutter mit einem Nebensatz womöglich auch noch erwähnte, ich habe auch einmal Allüren entwickelt, etwas zu schreiben.
Diese Situation wäre das schlimmste … und das großartigste zugleich gewesen. Mit jemandem Diskutieren zu können über das, was mir beim Schreiben Probleme bereitet, was wäre das für eine große Hilfe gewesen?
Andererseits kann ich mir nichts so gut vorstellen wie die Tatsache, dass jeden Abend der vergangenen Woche jemand zu ihm gekommen sei um ihn mit seinen zu Papier gebrachten Marotten zu beglücken. Und am Ende dieser Reise käme dann da noch so einer der seine Mutter vorschickt um dieses Thema anzukratzen nur um vom Herrn Eschbach seine Schreibblockade, die ihn noch vor dem ersten Buch heimsuche, therapieren zu lassen. Bloß nicht!
Dieses Argument behielt ich schließlich für mich und erklärte ihr, dass er womöglich schon Angst vor mir gehabt habe, nachdem ich, Derjenige mit den meisten Büchern beim Signieren, sich plötzlich im selben Auto platzierte, auf dem Weg in’s Nirgendwo. Muharhar, nein, da hätte ich mich sicher nicht auch noch einladen lassen.

Nun ja, wie soll ich schließen. Dies ist ein Blog und kein Psychiater.
Inspiration habe ich mir erhofft, und ich habe sie auch bekommen, allerdings in anderer Weise als ich gedacht hatte.
Ich werde nun nicht die nächsten zwei Tage über meinen Charaktären brüten, Kapitel schreiben und so fort.
Ich werde in Zukunft mehr lesen. Diese Lust hat mir schon Der Nobelpreis gemacht. Auch will ich mit meinem Handy in Zukunft Gedankenfetzen aufnehmen… sprachlich, versteht sich, denn am heutigen Tag hatte ich ein paar schöne Ideen, die nun leider wieder weg sind. Den MindManager will ich zum sortieren von Notizen und dieser Ideen verwenden.
Ich sollte Magazine lesen. Politik, Zeitgeschehen, all so Sachen, die mich bisher nicht wirklich interessieren, doch diese Art der Informationsaufnahme ist zu wichtig um den Grips am laufen zu halten, als dass ich sie vernachlässigen sollte.

Ich muss konsequenter werden, was meine Bücher angeht. Konsequenz, eine Fähigkeit deren Mangel ich bei Anderen immer als Erster bemängele, doch mir selbst fehlt sie am meisten.




Verfasst 28. Oktober 2005 von Ben in category "Persönlich

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